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Publikationsdatum
4. November 2001
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Heimkino bedeutet die kinoähnliche Wiedergabe von Filmen. Der hauptsächliche Unterschied zur Fernsehwiedergabe besteht im Surround-Sound, das heisst in der Tonwiedergabe durch mehrere Lautsprecher, die zusammen einen räumlichen Klangeindruck erzeugen. Hinzu kommt ein grosses Bild, sei dies über einen Grossbildfernseher oder einen Projektor. Die Eigenschaften der einzelnen Komponenten werden im Folgenden erläutert.

Heimkino-Komponenten

Ob ein Heimkino aus einer Komplettanlage oder aus einzelnen Geräten aufgebaut wird, sie enthält stets dieselben Elemente. Den Anfang der Kette macht das Wiedergabegerät. Hier soll nur vom DVD-Spieler die Rede sein. Videorecorder für Kauf- oder Leihkassetten und Fernsehempfänger sind willkommene Ergänzungen, was das Programmangebot betrifft. Der Videoausgang des DVD-Spielers wird direkt oder über eine AV-Zentrale (AV-Verstärker) mit dem Bildgerät verbunden. Das Tonsignal muss zunächst von einem Decoder in die einzelnen Audiokanäle aufgeteilt werden, bevor es an den mehrkanaligen Verstärker weitergeleitet und von dort auf die Lautsprecher gegeben wird.

DVD-Spieler

Der DV-444 von Pioneer ist mit seiner Gesamthöhe von nur 5,5cm der kleinste DVD Player in seiner Klasse.
Der DV-444 von Pioneer ist mit seiner Gesamthöhe von nur 5,5cm der kleinste DVD Player in seiner Klasse.
DVD-Video-Spieler gibt es mittlerweile in einer grossen Auswahl. Sie geben alle die DVD-Video und Audio-CDs wieder. Die meisten von ihnen können auch Video-CDs abspielen, eine Disc, die Bild und Ton im MPEG1-Format enthält. Einige DVD-Spieler geben die selbst gebrannte CD-R und CD-RW wieder. Abspielgeräte für die DVD-Video sind immer noch durch einen Ländercode gekennzeichnet, das heisst sie können nur diejenigen DVDs abspielen, deren Code mit dem des Spielers übereinstimmt. Europa hat den Code 2.

Die DVD-Audio gibt hochaufgelöste, mehrkanalige Musik wieder. Die DVD-Audio-Spieler können alle auch die DVD-Video abspielen. Ebenfalls hoch aufgelösten Ton speichert die SACD (Super Audio CD), die von Philips und von Sony portiert wird. Einige SACD-Modelle geben auch die DVD-Video wieder.

Bildsignale

Die Bildqualität der DVD-Video-Player wird nicht nur vom Digital-Analog-Wandler für das Videosignal bestimmt, sondern auch von den verfügbaren Ausgangssignalen. Das Composite-Signal (FBAS) hat die geringste Auflösung; es wird über einen Cinch-Anschluss und über den Scart-Stecker ausgegeben. Das S-Video-Signal mit seiner grösseren Bandbreite – und damit höheren Auflösung – führt die Signale für die Bild- und die Farbinformation getrennt. Es wird über einen 4-poligen Hosiden-Anschluss oder den Scart-Stecker geführt. Nur über den Scart-Stecker ist der Anschluss des RGB-Signales möglich. Das Komponenten-Signal mit der Helligkeitsinformation und zwei Farbdifferenzsignalen wird über drei Cinch-Anschlüsse geführt. Die letzteren zwei Anschlussvarianten bringen das Maximum an Bildqualität auf den Bildschirm. Zu beachten ist, dass nicht jeder Scart-Anschluss alle Signalvarianten führt. Ein genaues Studium der Herstellerangaben ist unerlässlich. Komponentensignale können die wenigsten Bildgeräte wiedergeben. Es sind in erster Linie Projektoren, die Anschlüsse für diese Signalvariante aufweisen.

Audiowiedergabe

Für die einfachste Tonwiedergabe verfügen die DVD-Video-Spieler über einen analogen Stereoausgang mit Cinch-Steckern. Die Verbindung des mehrkanaligen Surround-Soundes zu einem externen Decoder erfolgt über einen digitalen Ausgang (optisch oder koaxial). Einige DVD-Spieler haben den Decoder eingebaut. Die Auftrennung der Toninformation in die 5.1-Kanäle erfolgt also im Player selber. Als Ausgänge stehen dann sechs Cinchanschlüsse zur Verfügung, die direkt mit den Endstufenkanälen und dem Subwoofer verbunden werden. Welcher Decoder eingebaut ist (Dolby Digital, MPEG Multichannel, DTS oder alle), ist den Herstellerangaben zu entnehmen.

Decoder

Der High-End-Decoder 007 von Burmester enthält DSP-Sätze für alle aktuellen Tonformate in Dolby-Digital, dts und Pro-Logic, sowohl 5.1 wie auch 6.1 EX.
Der High-End-Decoder 007 von Burmester enthält DSP-Sätze für alle aktuellen Tonformate in Dolby-Digital, dts und Pro-Logic, sowohl 5.1 wie auch 6.1 EX.
Der Decoder trennt das digitale Audiosignal entsprechend dem Tonformat der DVD in die verschiedenen Kanäle auf. Er kann im DVD-Spieler oder im AV-Verstärker eingebaut oder als separates Gerät Teil der Anlage sein. Letztere Variante ist sicher die teuerste aber auch die flexibelste, falls ein erweitertes Tonformat auf den Markt gebracht werden sollte.

Für die DVD gibt es zur Zeit drei Mehrkanalverfahren, nämlich Dolby Digital, DTS und MPEG Multichannel (MPEG-2-Ton), wobei letzteres praktisch keine Rolle mehr spielt. Dolby Digital ist das weitaus häufigste Verfahren. DTS ist dank höherem Datendurchsatz die High-End-Variante des digitalen Mehrkanaltones. Es benötigt einen eigenen Decoder (der mit dem Dolby-Decoder im gleichen Gerät integriert sein kann). DTS ist ebenfalls ein 5.1-Verfahren, das heisst es verfügt über fünf diskrete Vollbereichskanäle und einen tieffrequenten Effektkanal mit beschränktem Frequenzumfang.

Vom Decoder gelangen die Audiosignale auf die Endstufen, wo sie verstärkt und zu den Lautsprechern geleitet werden.

AV-Verstärker

AV-Verstärker mit sieben Endstufen und Komponentenausgang: der AVC-A1SE von Denon
AV-Verstärker mit sieben Endstufen und Komponentenausgang: der AVC-A1SE von Denon
Für ein ausgewachsenens Heimkino mit 5.1-Ton braucht es sechs Verstärkerkanäle, je einen für die vorderen Kanäle links, Mitte und rechts, die beiden Surround-Kanäle links und rechts und den Subwoofer. Die meisten AV-Verstärker oder AV-Receiver enthalten fünf Endstufen, da der Subwoofer vielfach aktiv betrieben wird, das heisst seinen eigenen Verstärker eingebaut enthält. Idealerweise haben die fünf Kanäle dieselbe Leistungsfähigkeit.

Der AV-Verstärker ist jedoch mehr als eine Sammlung von Endstufen. Mit dem eingebauten Decoder übernimmt er direkt das digitale Signal des DVD-Spielers und entschlüsselt es entsprechend dem eingespeisten Audiostandard. Seine Eingänge erlauben verschiedene Quellen – auch Audioquellen wie die CD – anzuschliessen, umzuschalten und auch für eine Überspielung wieder auszugeben. Bei AV-Quellen wird jeweils auch das Bild mit umgeschaltet. Daher ist eine wichtige Eigenschaft des AV-Verstärkers die Art der Videoanschlüsse. Viele dieser AV-Zentralen schalten sowohl Video- als auch S-Video-Quellen, nur wenige auch Komponentensignale. Über Scart-Anschlüsse verfügen diese Geräte nicht. Wenn nur eine Videoquelle verwendet wird – zum Beispiel der DVD-Spieler – kann das Bild auch direkt mit dem Monitor verbunden werden. Dies ist der Bildqualität zuträglich. Verloren geht dabei die Möglichkeit, das Menu des AV-Verstärkers anzuzeigen.

Viele AV-Verstärker haben zusätzlich separate Eingänge zu den einzelnen Endstufen, oder die Verbindungen zwischen Vor- und Endverstärker lassen sich auftrennen. Dies ist eine wichtige Eigenschaft, falls einmal bereits decodierte Signale – z.B. von einem externen Zusatzdecoder – oder hochaufgelöste Audiosignale von der DVD-Audio oder der SACD verstärkt werden sollen.

Lautsprecher

Lautsprecherset fürs Heimkino wie auch für DVD-Audio und SACD: P4 MK II des Schweizer Herstellers Piega.
Lautsprecherset fürs Heimkino wie auch für DVD-Audio und SACD: P4 MK II des Schweizer Herstellers Piega.
Die Lautsprecher bestimmen den Klang des Heimkinos am stärksten mit. Da sie alle einen mehr oder weniger stark ausgeprägten Klancharakter haben, wird ihre Wahl nicht nur von technischen Merkmalen bestimmt, sondern auch vom persönlichen Geschmack. Um ein homogenes Klangbild zu erreichen, sind die fünf Hauptlautsprecher idealerweise identisch. Das lässt sich aber nur in seltenen Fällen realisieren. Insbesondere der Centerlautsprecher, der meist horizontal aufgestellt wird, ist konstruktionsbedingt von den anderen verschieden. Optimal ist ein Lautsprecherset mit allen Boxen vom gleichen Hersteller.

Der Centerlaustprecher gibt den grössten Anteil des Filmdialoges wieder. Er sollte also die menschliche Stimme unverfärbt reproduzieren. Zudem erhält er auch seinen Anteil an Filmmusik, sollte also klanglich den beiden Frontboxen links und rechts nicht nachstehen. Die hinteren Lautsprecher stellen die gleichen klanglichen Anforderungen, müssen jedoch nicht dieselbe hohe Leistung wie die Frontboxen verarbeiten können, da sie meist deutlich weniger Signal erhalten. Sie können gar – dank des Bassmanagments des Decoders, mit dem sich die tieffrequenten Anteile auf die Frontboxen umleiten lassen – im unteren Frequenzbereich beschnitten sein. Kleine Satelliten oder Regalboxen sind als Surround-Lautsprecher also durchaus geeignet.

Der Subwoofer muss ebenfalls mit den anderen Boxen harmonieren. Hier ist insbesondere die Übergangsfrequenz wichtig, damit im Spektrum kein Loch entsteht beziehungsweise kein Frequenzbereich überbewertet wird. Die Übergangsfrequenz lässt sich im Allgemeinen in einem kleinen Bereich einstellen und so der Gesamtklang optimieren.

Bildwiedergabe

Komplettes Heimkino: Rückprojektor Accoro von Grundig mit Dolby Digital und mitgelieferten Surround-Boxen.
Komplettes Heimkino: Rückprojektor Accoro von Grundig mit Dolby Digital und mitgelieferten Surround-Boxen.
Je grösser das Bild, desto stärker das Heimkinofeeling. Eine zusätzliche Steigerung bringt das Breitbildformat 16:9, da es dem Kinoformat viel näher kommt als das quadratischere 4:3. Für die Bildwiedergabe im Heimkino geeignet sind Fernsehgeräte mit grossen Bildröhren, Rückprojektoren, Projektoren und Plasmabildschirme. Allmählich stossen auch LCD-Fernseher in Grössen vor, die heimkinotauglich sind.

Fernsehgeräte und Rückprojektoren besitzen nicht nur einen TV-Tuner, sondern haben vielfach auch umfangreiche Audioelektronik inklusive Surround Sound-Decoder integriert. Im Gehäuse untergebracht sind auch zwei bis vier Lautsprecher, das heisst zwei Lautsprecher für den Stereobetrieb und allenfalls noch ein Centerlautsprecher und der Subwoofer. Sie machen damit schon einen grossen Teil des Heimkinos aus. Für die Verbindung mit den AV-Quellen stehen Scart-Anschlüsse zur Verfügung, meist auch zusätzlich sogenannte AV-Anschlüsse mit zwei Cinchsteckern für analoges Audio, einem Cinchanschluss für Video und einem Hosideneingang für S-Video.

Ausstattungsmässig ähnlich wie TV-Geräte sind Plasmabildschirme und LCD-Fernseher aufgebaut, nur dass hier Elektronik und Anschlüsse in ein eigenes Gerät ausgelagert sind. Die Lautsprecher sind Teil des Bilderrahmens.

Projektoren

Speziell für Home-Entertainment Anwendungen entwickelter Videoprojektor: Monroe von Philips.
Speziell für Home-Entertainment Anwendungen entwickelter Videoprojektor: Monroe von Philips.
Grosse Bilder erzielen Projektoren. Sie werden laufend kleiner und leistungsfähiger. Aktuell sind LCD- und DLP-Projektoren, deren Grundfläche in etwa die Masse eines A4-Blattes haben. Ihre Lichtstärke (ausgedrückt in ANSI-Lumen) wird laufend erhöht, vor allem im Hinblick auf die Datenprojektion bei Präsentationen unter Tageslicht. Für Kinoverhältnisse in abgedunkelten Räumen reichen die heute üblichen Lichtstärken aus. Wichtig für ein kontrastreiches Bild ist, Reflexionen von Streulicht zurück auf die Leinwand zu minimieren.

Das Projektorbild ist zwischen 4:3 und 16:9 umschaltbar. Für die Auflösung des Breitbildes ist entscheidend, ob dahinter ein 16:9-Panel steckt, oder ob lediglich oben und unten ein Streifen des 4:3-Panels abgedeckt wird, was die Anzahl verfügbarer Pixel reduziert. Projektoren verfügen im allgemeinen nicht über Scart-Eingänge. Die anderen Anschlussvarianten sind in unterschiedlicher Kombination vorhanden. Vielfach kommen Anschlüsse für Computersignale hinzu.
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