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Publikationsdatum
1. Februar 2010
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3D kommt noch 2010 - so die euphorische Schlagzeile an der diesjährigen Consumer Electronics Show CES in Las Vegas. Letztes Jahr liefen in den USA 18 3D-Filme in den Kinos, und die Mehrheit der Besucher würde sich das Erlebnis auch für zu Hause wünschen, meinte die Consumer Electronics Association CEA. Und was liege näher, als diesen Wunsch zu erfüllen?

Doch 3D ist schon lange da. Seit den 1950er Jahren wurden immer wieder Filme in Kinos und Vergnügungsparks dem staunenden Publikum vorgeführt. Es waren nicht zuletzt Horrorstreifen, deren Gruselfaktor durch die Dreidimensionalität erhöht werden sollte. Nicht anders war das auch letztes Jahr, also ein halbes Jahrhundert später: Final Destination 4 wollte das Schockerlebnis mit 3D verstärken.

Tod im Doppelpack

„Final Destination" liegt also in der vierten Folge vor. Obwohl erst ab 18 Jahren zugelassen, schwärmen auch 12-jährige von den plastisch vorgeführten Variationen eines unnatürlichen Todes. Der Kick dabei: Jeder und jede stirbt zweimal, denn die Hauptfigur ahnt das schreckliche Geschehen im Voraus. In Final Destination 4 ist es der junge Nick, der als Zuschauer eines Autorennens plötzlich die Vision einer Massenkarambolage hat, bei der die Autos auf die Tribüne fliegen. Einige der Zuschauerinnen und Zuschauer werden von herumfliegenden Rädern oder Motorblöcken zermalmt, andere von den einstürzenden Tribünen zerquetscht. Blutig gehts zu und her, doch es ist ja alles nur eine Vision und Nick kann die Leute warnen und dadurch schlimmeres verhüten. Doch damit ist der Tod nicht einverstanden. Er holt sich alle ihm entgangenen Opfern im Laufe des Films zurück und hat dabei ganz lustige Einfälle.

Gute Umsetzung

Die 2D-Version garantiert für einige Schreckensmomente (Bild: Warner)

Die Geschichte ist bekannt; die schauspielerischen Leistungen, die Dialoge und die Bauten sind bescheiden. Die Spannung, wenn denn eine aufgebaut wird, wird durchaus gekonnt aus B-Movie Versatzstücken erzeugt. Die Todesfälle sind die Highlights des Films, denn sie sind mit viel Computeranimation derart in Fleisch und Blut umgesetzt, dass einem die Lust am Popcorn vergehen könnte. Dabei sind es häufig spitze Gegenstände und durch die Luft wirbelnde Projektile, die den Tod bringen, also Elemente, die in 3D ihre visuelle Wirkung nicht verfehlen können.

Als 2D-Film - auf der ersten DVD - bietet der Film zudem eine hohe Auflösung, satte Farben und einen den Subwoofer fordernden Tiefbass.

Brille auf

Für die zweite DVD mit der 3D-Version werden vier Brillen mitgeliefert. Man ist also nicht allein.

Die 3D-Wirkung des Films soll im Kino - so die im Internet kursierenden Kritiken - überwältigend gewesen sein. Das ist durchaus nachvollziehbar, sind doch viele Szenen auf eine entsprechende Schockwirkung ausgelegt. Doch im Heimkino über einen 42 Zoll Full-HD-Plasmabildschirm ist davon nichts zu spüren. Die dritte Dimension entfaltet nur selten ihre Wirkung, und auch dann in bescheidenem Rahmen. Doch das liesse sich noch goutieren, wären da nicht die starken Farbveränderungen, welche die Brille hervorruft. Das Feuer auch der gewaltigsten Explosion entflammt in Zitronengelb und Giftgrün, was ihm jede Kraft nimmt. Die Lippen sind durchwegs bläulich, als wären die Beteiligten dauernd unterkühlt. Und das Blut: schwarz - unheimlich zwar aber nicht gruselig. Der Splatter-Effekt geht völlig verloren. Neben dem Kontrast nimmt auch die Detailgenauigkeit beim Aufsetzen der Brille ab.

Warten auf 3D

Insgesamt verliert der Film beim Betrachten durch die 3D-Brille enorm; die 2D-Version ist deutlich wirkungsvoller. Mit dieser Technik wird verständlich, weshalb sich 3D-Filme in den letzten Jahrzehnten nicht durchsetzen konnten. Die neu vorgestellte Technik benötigt neue Bildschirme, neue Wiedergabegeräte und Brillen, die abwechselnd ein Bild dunkelschalten, statt die beiden Bilder farblich zu trennen. Der grössere technische Aufwand mag eine grössere Wirkung erzeugen. Wir dürfen gespannt sein.
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