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Publikationsdatum
14. Dezember 2014
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"Jersey Boys" wurde zunächst als Musical in den USA aufgeführt. Nun hat Clint Eastwood die Geschichte der "Four Seasons" in einem Film erzählt. Dieser beginnt 1951 in Belleville, New Jersey. Dort hängen ein paar Jugendliche herum, machen kleinere Gaunereien und spielen Musik. Zu ihnen gehören Tommy deVito (Vincent Piazza) und Frankie Castelluccio (John Lloyd Young), der sich später Frankie Valli nennt. Nachdem der Musiker, Komponist und Texter Bob Gaudio (Erich Bergen) sowie Nick Massi (Michael Lomenda) dazugestossen sind, ist die Band komplett. Der Produzent Bob Crewe (Mike Doyle) nimmt sie unter Vertrag. Es folgen drei Nummer 1 Hits. Der Musikfilm könnte beginnen.

Nicht so bei Clint Eastwood. Zwar kommt die Musik bei Bühnenauftritten immer wieder zum Zug, doch der Blick hinter die Kulissen, auf die "Chemie" in der Gruppe und die Schicksale der beteiligten Individuen ist dem Regisseur wichtiger. Die Jungs kommen aus einer unterprivilegierten Gegend, aus der sie mit Hilfe des kommerziellen Erfolges in der Popmusik ausbrechen möchten. Sie versuchen, ihre Variante des amerikanischen Traumes zu verwirklichen. Dabei bleibt der Ehrenkodex des Gaunermilieus allgegenwärtig, und der Gaunerboss Gyp DeCarlo (Christopher Walken) ist stets als wohlmeinender und helfender Mentor zur Stelle. Hinzu kommen persönliche Probleme, welche Ehe und Kinder so mit sich bringen, doch sie tauchen im Film unvermittelt, ohne Entwicklung auf, so als wäre es dem Regisseur gerade in den Sinn gekommen, diese Ebene auch wieder mal zu zeigen.

Zentrales Thema ist die Aussage des ausführlich gezeigten Songs "Walk Like a Man": Werde zum Mann, zu einem Mann mit Charakter, bei dem der Handschlag zählt, der ehrenvoll handelt - ein Thema, das bei Eastwood nicht neu ist, das aber - gerade auch mit dem stilechten Dekor der 50/60 er Jahre - zum sehnsüchtigen Blick zurück auf einen vergangenen amerikanischen Traum wird. Ein nostalgischer Film also, mit vielen schönen Momenten der Handlung und der Ausstattung, mit einer gut erzählten Geschichte und einer zuckersüssen Popmusik, die nichts will, als zum Träumen anregen. Insegsamt mehr Drama als Musical.

Die hier besprochene Blu-ray zeigt ein weitgehend einwandfreies, hochaufgelöstes Bild, das die verschiedenen Stimmungen im Halbdunkel der Clubs und Garderoben gut herüberbringt. Einzig vertikale Schwenks zeigen ein deutliches Ruckeln. Der Ton ist tadellos, gerade auch bei den Musikaufnahmen.

Stimmungsvolle Bilder in einer Geschichte aus dem Musikmilieu
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