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Publikationsdatum
15. Juni 2016
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Meine schlimmsten Privat-Support-Dramen beginnen alle mit einem unschuldigen Telefonanruf. "Hallo, ich hab einen neuen 4K-Fernseher", dröhnt es aus dem Hörer. "65-Zoll Bilddiagonale zum Schnäppchenpreis", prahlt es in meine neidischen Ohren. "Aber ich hab da ein kleines Problem. Du kannst da sicher helfen", wird mein Ego wieder aufgepäppelt. Das selbstbewusste "Aber natürlich!" sollte mich dann mehrere Stunden beschäftigen.

Keine Kopfhörerdose am riesigen 4K-LG-TV

Das Problem ist kurz erklärt. Der Freund kann seinen Kopfhörer nicht mehr anschliessen, weil er die passende Klinkendose schlicht nicht findet. Dass es sich dabei nicht nur um ein raffiniertes Versteckspiel des Herstellers LG handelt, zeigt ein Blick in das nach längerer Sucherei im Internet gefundene Datenblatt. Beim günstigen 65-Zoll-4K-Modell wurde die Dose schlicht weggespart.

Der Tipp, einfach die Audio-Out-Cinch-Dose zu nehmen, verpuffte nutzlos. Die gibt es nämlich auch nicht. Der vorhandene optische Ausgang ist für einen Kopfhörer ungefähr so nützlich wie eine Anhängerkupplung an einem Ferrari.

Sackgasse SCART und HDMI

"Geht es mit SCART?", fragte der Freund und gestand so den Vertrauensbruch ein, dass er vor dem Telefonat schon gegoogelt hatte. Dem Leser sei hier erklärt, dass SCART-Stecker das schlimmste Verbrechen der Anschlusstechnik sind, das die Kabelgeschichte je geschrieben hat. Die Stecker sind riesig, zerfallen meist beim dritten Gebrauch und die PIN-Belegung ist Glücksache. "SCART sollte gehen", meinte ich Böses ahnend und grabbelte in meiner Kiste nach dem passenden SCART-Audio-Out-Adapter. Dann noch einen Cinch-Klinken-Adapter angepfriemelt und los geht’s. Doch blöderweise blieb der Kopfhörer stumm. "Mist, zu schwacher Signalpegel", laberte ich ein bisschen Technolatein und grabschte wieder in meiner Kiste.

"Kein Problem, ich hab einen HDMI-Audio-Adapter", war der nächste Hoffnungsschimmer. Der Spezialadapter aus echt chinesischer Billigfertigung kann das Audiosignal aus einer HDMI-Leitung auf einen wunderbarerweise zum Kopfhörer passenden Klinkenstecker ausleiten. Dazu muss er aber an die ARC-Dose des TV gestöpselt werden. LG hat gleich auch auf die passende Beschriftung verzichtet, es war also wieder Handbuchstudium zur Findung der passenden HDMI-Dose angesagt. Geholfen hat es aber letztlich nichts. Denn auch das HDMI-Konsortium will via HDMI-Dose keine Kopfhörer füttern, sondern mit dem schwachen Signal bestenfalls die AUX-Dose eines Verstärkers versorgen.

TV-Stereoanlagen-Kopfhörer-Trio

Die Endlösung des Kopfhörerproblems war dann also eine technische Lachnummer. Von der SCART-Dose, die wenigstens zuverlässig mit einem Audiosignal versorgt wird, schlauft sich nun ein Kabel zur Hifi-Anlage. Diese muss man brav auf den AUX-Eingang umstellen, dass man an der Kopfhörerklinke des Verstärkers den Kopfhörer für den Fernseher anschliessen kann. Die Lösung kam allerdings deutlich ins Wanken, als der Freund fragte: "Kannst du mir jetzt noch sagen, wie ich meiner Frau all die Kabel erklären soll?"

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